Landwirtschaftliche Lagerhalter*innen sind mit der fachgerechten Lagerung von landwirtschaftlichen Produkten und von landwirtschaftlichen Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen beschäftigt. Sie überwachen und dokumentieren den Warenein- bzw. -ausgang und bereiten Saatgut, Düngemittel und Mischfutter auf. Die Landwirte liefern das geerntete Getreide oft direkt vom Feld an. Die Traktor-Ladeanhänger werden auf der Brückenwaage bei der Einfahrt und nach Abladen des Getreides gewogen. Die Differenz wird als Gewicht der Getreidelieferung notiert. Dann entnehmen die Landwirtschaftlichen Lagerhalter*innen Proben, um verschiedene Qualitätsmerkmale festzustellen.
Bei der Saatgutaufbereitung putzen Landwirtschaftliche Lagerhalter*innen das Saatgut mit Siebmaschinen, um Stroh, Steinchen oder Erdklümpchen auszuscheiden. Danach sieben sie das Saatgut nach Kornform, Korndicke und Kornlänge und erhalten dadurch Saatgut von einheitlicher Größe. Für die Nutzung in der konventionellen Landwirtschaft werden anschließend die Körner durch Aufsprühen von chemischen Substanzen gegen Schädlings- und Pilzbefall geschützt (gebeizt), gebrochene Saatkörner werden ausgeschieden, da diese meist nicht mehr keimfähig sind. In der biologischen Landwirtschaft kommen andere Verfahren zu Anwendung. Danach wird das Saatgut mit Abfüll- und Sackierungsmaschinen abgefüllt und eingelagert. Durch dieses Verfahren wird sichergestellt, dass nur gesundes und keimfähiges Saatgut in den Verkauf gelangt.
Bei der Düngemittelaufbereitung bereiten die Landwirtschaftliche Lagerhalter*innen mineralische Düngermischungen aus Stickstoff, Phosphor, Magnesium und Kalk zu. Sie reinigen und warten Maschinen, Geräte und Anlagen, messen regelmäßig Temperatur und Luftfeuchtigkeit im Lagerhausbereich und führen Arbeiten in der Verwaltung durch (z. B. Telefon- und Schriftverkehr, Führen von Protokollen und Dokumenten, Notieren von Warenein- und Warenausgängen).
Die Digitale Transformation der Arbeits- und Berufswelt verändert auch die Anforderungen für Landwirtschaftliche Lagerhalter*innen. Im Rahmen der Digitalisierung kommen beispielsweise folgende Technologien oder Systeme zum Einsatz:
- automatische Hochregallager: digitale Steuerung von automatisierten Warenein- und Warenauslagerungen
- digitale Identifizierung und Datenerfassung beim Warenein- und Warenausgang
- digitale Bestandskontrolle: Inventuren mit digitalen Geräten oder Barcodescannern durchführen
- Collaborative Robots (Cobots), z. B. Transport von schweren Gütern zum Packbereich
- Einsatz von Drohnen, z. B. zur Kontrolle der Warenbestände
- Materialflussroboter und Transportroboter zum Beladen und Lieferorte bestimmen
- Warehouse-Management-Systeme (WMS): Warenlager und Distributionszentren digital steuern und verwalten